Orgel in St. Wolfgang

Die Chronik unserer Orgel

Das Instrument von 1910

Mit dem Bau der St. Wolfgang-Kirche 1910 stellte sich die Frage nach einer dem Kirchenraum  angemessenen Orgel. Das Instrument, das in der Nikolaikirche stand – eine vermutlich nach der Säkularisation aus dem ehemaligen Kloster Heiligkreuztal abtransportierte Orgel mit neun Registern auf einem Manual und Pedal aus der Werkstatt des oberschwäbischen Orgelbauers Holzhay – war viel zu klein und überdies wurmstichig. Auf Vermittlung von Josef Götz, damals Rektor der Katholischen Volksschule und Organist der Katholischen Gemeinde, stellte die Orgelfirma Walcker aus Ludwigsburg ein kostenloses Leihinstrument zur Verfügung, das später zur Zeit der Inflation günstig erworben werden konnte. Diese Orgel – ein Werk des Echterdinger Orgelbauers Weigle – besaß nach dem Umbau durch Walcker 14 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal  mit pneumatischer Traktur und elektrischem Gebläse, war also für damalige Verhältnisse ein modernes Instrument, aber klanglich unzureichend und daher lediglich als Interimslösung gedacht.

Der Umbau 1939

Unter dem Eindruck der Kriegsvorbereitungen entschied sich die Gemeinde1939, auf den geplanten Ausbau des Glockengeläuts zu verzichten und stattdessen in die Erweiterung der Orgel zu investieren. Den Auftrag erhielt die Firma Gebrüder Späth aus Mengen-Ennetach, die unter Wiederverwendung des alten Instruments für nur 15.000 Reichsmark zuzüglich Transport- und Montagekosten eine Orgel mit nun 37 Registern lieferte – ein komplett neues Werk dieser Größe  hätte ca. 35.000 Mark gekostet. Das alte Instrument wurde vollständig abgebaut und erhielt einen Freipfeifenprospekt mit  zusätzlichem Rückpositiv (3. Manual) sowie eine elektrische Traktur. Klanglich passte sich die Disposition mit ihren neobarocken Mixturen und Zungenstimmen den Vorstellungen der damaligen „Orgelbewegung“ an. Die Freude an dem neuen Instrument währte indes nicht lange. Beim Bombenangriff auf Reutlingen am 1. März 1945 wurde auch die Orgel schwer beschädigt, ein Brand auf der Empore konnte jedoch gelöscht und der Totalverlust  des Instruments verhindert werden. Es dauerte 13 Jahre, bis ein erneuter Umbau, diesmal unter den Sparzwängen der Nachkriegsjahre, die Schäden behob, gleichzeitig aber wiederum Eingriffe in die Klangstruktur des Werkes vornahm. In der Folgezeit erwies sich die pneumatische Traktur immer häufiger als störungsanfällig; Windladen und Bälge wurden trotz weiterer Generalüberholungen zusehends undicht.

Disposition der Orgel (1969)                             

Hauptwerk I      Schwellwerk II         Rückpositiv III          Pedal         

Quintatön 16’       Holzflöte 8’                 Rohrflöte 8’                  Prinzipalbass 16’

Prinzipal 8’           Salizional 8’                Quintade 8’                  Subbass 16’                                  

Gedeckt 8’           Dolkan 4’                    Prinzipal 4’                   Zartbass 16’

Dulziana 8’           Gedecktflöte 4’           Blockflöte 4’                 Oktavbass 8’    

Oktave 4’             Nachthorn 2’               Oktave2’                    Gedecktbass8’                                            

Rohrflöte 4’          Quint 1 1/3’                Terz 1 3/5’                  Choralbass 4’

Schwiegel 2’         Hörnle II                    Cymbel III 1/2’ Flöte 2’ Bassflöte 4’

Quint 2 2/3’         Scharff IV 1’               Krummhorn 8’               Mixtur IV 2 2/3’

Mixtur VI 1 1/3’    Trompette harm. 8’     Tremulant                     Posaune 16’

Trompete 8’         Rohrschalmey 4’                                             Trompete 8’

                          Tremulant                                                      Clarine 4’

 

Koppeln: II/I   III/I   III/II   I/P  II/P  III/P 

elektropneumatische Spiel- und Registertraktur

Schweller, Crescendo-Walze, 2 freie Kombinationen, 1 Pedalkombination

Erbauer: Gebrüder Späth, Mengen-Ennetach (1939)

  

Der Orgelneubau 2007

 

Angesichts drohender Unspielbarkeit des Instruments war eine Entscheidung unumgänglich: Sollte das bestehende Werk restauriert oder ein Orgelneubau angestrebt werden? Zwei unabhängige Gutachten der Firmen Link und Vleugels kamen beide zu dem Schluss, dass die schlechte Materialsubstanz und die inzwischen historische Technik die enormen Kosten einer Restaurierung  (230.000 Euro) nicht rechtfertigten. Am 17. Juli 02 bewilligte der Gemeinderat den Neubau einer Orgel für die Wolfgangskirche. Unter dem Vorsitz von Dr. Fritz Fuchs wurde ein Orgelbauförderverein gegründet, der mit Hilfe von Spenden innerhalb von nur zwei Jahren 40% der Kosten aufbringen konnte. Damit waren die Voraussetzungen erfüllt, um nach Erarbeitung eines technischen und klanglichen Konzeptes unter der Regie des Orgelsachverständigen Johannes Mayr (Stuttgart)

 

an die Realisierung des Vorhabens herangehen zu können. Am 12. Juli 05 erhält die Fa. Freiburger Orgelbau Hartwig Späth den Zuschlag zum Bau der neuen Wolfgangsorgel, die am 2. Dezember 2007 zum ersten Mal im Gottesdienst erklang.


Orgelunterricht: 

Individueller Orgelunterricht

 -  durch qualifizierten Kirchenmusiker (A-Examen) mit  langjähriger Unterrichts- und Konzerterfahrung

-  für Kinder und Erwachsene, Anfänger, Fortgeschrittene und Wiedereinsteiger

-  gezielte Begabtenförderung und Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung an Musikhochschulen 

-  privat oder im Rahmen kirchlicher Ausbildungsgänge (TBQ/C-Prüfung)

Die Kirchengemeinde St. Wolfgang bietet die Möglichkeit zum Üben auf ihren Instrumenten und fördert den Unterricht gegebenenfalls auch finanziell. Zum Kennenlernen gibt es die Möglichkeit einer kostenlosen Schnupperstunde, auch in den Ferien.

Nähere Informationen erhalten Sie gerne bei Kantor Andreas Dorfner, Tel. 07121 340835.